„Auf Bergleute konnte ich mich verlassen“
BZ-Interview / 40 Jahre Mitglied in der SPD / Karl Herbst über Politik und Privates

REKEN. Vier Jahrzehnte lang gehört Karl Herbst der
SPD an. Mit dem Ehrenvorsitzenden der Rekener SPD
sprach BZ-Redakteur Hubert Konert über Privates und
Politik.
BZ: Wie geht es Ihnen,Herr Herbst?
Herbst: Mir geht es ganz gut. Nach mehreren Rücken-
Operationen bin ich zwar beim Laufen stark eingeschränkt, aber ich kann ganz gut Auto fahren. Aus dem früheren Wandern ist für
mich das Autowandern geworden. Dank Herz-Medikamenten und der liebevollen Fürsorge meiner Frau komme ich gut zurecht.
BZ: Warum sind Sie 1973 SPD-Mitglied geworden?
.
Herbst: Willy Brandt und seine Politik spielten natürlich eine Rolle für die, die sich mit Politik beschäftigten. Es war eine aufgeregte Zeit. Zu den ganz radikalen Leuten der 68er-Generation war ich aber auf Distanz. Allein schon wegen meines Alters. Mein Vater, der 1949 aus russischer Gefangenschaft kam, war eher Zentrums nah, sprach sich aber für starke Gewerkschaften aus.
Besonders prägend für meine Überzeugung war die
Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. In Osterfeld gab
es neben der Volks- eine Arbeiterhochschule. Als Lehrling bin ich hingegangen. Ich bin erst hier in Reken in die
SPD eingetreten. Hier waren damit sicher keine persön-
lichen Vorteile verbunden. Das war in Bottrop anders.
Da spielte das mitunter eine Rolle beim beruflichen Weiterkommen. Jedenfalls ist das unterstellt worden.
In Reken gab es damals noch zwei Ortsvereine, einen in Klein Reken und einen in Groß Reken/MariaVeen. Eine meiner ersten
Aufgaben war die Fusion dieser beiden Ortsvereine.
BZ: Wann war es für Sie besonders schwer, Mitglied der SPD zu bleiben.
Herbst: Um ehrlich zu sein, stand das für meine
Frau und mich niemals zur Debatte. Wir haben eine
emotionale Bindung, auch weil ich viele Jahre auf
Loyalität und Solidarität angewiesen war. Besonders auf „meine“ Bergleute in der Partei konnte ich mich verlassen.
BZ: Spüren Sie Genugtuung, Ihrer Überzeugung treu geblieben zu sein?
Herbst: Ja, natürlich, uneingeschränkt ja.
BZ: Was war spannend in der Rekener Gemeindepolitik?
Herbst: Im Nachhinein gesehen waren es kleine Dinge. Wenn man unmittelbar davor stand, war es mit enormen Aufwand verbunden, etwas durchzusetzen. Mir ist es gelungen, durch
die guten Kontakte zur Verwaltungsspitze viele Vor-
schläge unterzubringen. Als zweite Möglichkeit habe ich
zum Beispiel die Beziehung zu Hans Marx genutzt. Er
war mein Kollege am Gymnasium, lange Zeit CDU-
Fraktionschef und offen für die eine oder andere Idee
von mir. Wir haben die Schulen gut ausgestattet, die Finanz-
und Baulandpolitik war in Reken immer solide. Einige
Dinge, die nach außen hin aufgeregt erschienen, waren
keine wilden Auseinandersetzungen. Reken steht or-
dentlich da.
BZ: Erinnern Sie sich an Ihr bestes Wahlergebnis?
Herbst: Einmal ist es mir gelungen, meinen Wahlbe-
zirk in Maria Veen direkt zu holen. Das war etwas Beson-
deres im Altkreis Borken. Das bewog die Rekener UWG, mich als stellvertretenden Bürgermeister mitzutragen.
BZ: Bringen Sie sich als Ehrenvorsitzender im SPD-
Ortsverein Reken heute noch ein?
Herbst: Ich nehme im Hintergrund teil, passiver als sonst.
BZ: Ohne was kommt ein Kommunalpolitiker nicht aus?
Herbst: Ein dickes Fell und die feste Überzeugung,
dass es sich lohnt, auch im Kleinen etwas zu verbessern
und zu erhalten. Es ist das Schöne an der Kommunal-
politik, dass man konkrete Auswirkungen von Entscheidungen selbst erleben kann.
BZ: Was versprechen Sie sich von der großen Koalition?
Herbst: Ich habe nicht die Ängste, dass die SPD von Angela Merkel klein gemacht wird. Die Koalition ist keine Liebesheirat, es müs-
sen Kompromisse erarbeitet werden. Das ist besser als
Neuwahlen